
Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung, aber in Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete gibt es trotzdem häufig keine oder unzureichende Bildungsangebote. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Johanna Funck (Universität Bremen) und Markus Ciesielski (htw saar).
16.12.2025
Bundesweit
Pressemeldung
Universität Bremen
Die Studie „Bildungsrechte und Schule für geflüchtete Kinder und Jugendliche in Erstaufnahmeeinrichtungen“ (BiSKE) wurde federführend im Arbeitsbereich Bildung in der Migrationsgesellschaft der Universität Bremen verantwortet. Sie liefert erstmals einen Überblick darüber, wie verfügbar und zugänglich schulische Bildung für geflüchtete Kinder und Jugendliche in den ersten Monaten nach ihrer Ankunft in Deutschland ist. In allen Bundesländern ermitteln die Forschenden, welche Bildungsangebote es in Aufnahmeeinrichtungen für 6- bis 18-Jährige gibt und wiefern sie Zugang zu regulären Schulen haben. Zwischen November 2024 und Mai 2025 führten die Forschenden standardisierte Befragungen in bundesweit 203 Aufnahmeeinrichtungen durch. Damit liegt erstmals eine vollständige, systematische Erhebung zur Bildungssituation in deutschen Aufnahmeeinrichtungen vor.
Deutsche Defizite: Jede fünfte Einrichtung macht keine Bildungsangebote
Die Ergebnisse zeigen deutliche Defizite: 38 Einrichtungen (19 Prozent) machen keinerlei Bildungsangebote – obwohl in der Hälfte von ihnen Kinder und Jugendliche oft über Monate leben. Bei 82 Einrichtungen (40 Prozent) bestand das Bildungsangebot ausschließlich aus schulalternativen Bildungsmaßnahmen oder Deutschkursen, die meisten in den Einrichtungen selbst angeboten wurden, deren Qualität stark variierte und die nicht in allen Fällen von Beginn an zugänglich waren. In 83 Einrichtungen (41 Prozent) war ein Zugang zur Regelschule möglich, allerdings häufig nur eingeschränkt, mit Wartezeiten oder für bestimmte Altersgruppen. Auffällig ist zudem, dass Bundesländer, die Asylsuchende nicht von der Schulpflicht ausschließen, tendenziell bessere Bildungsbedingungen schaffen als jene, die geflüchtete Kinder und Jugendliche von der Schulpflicht zeitweise ausnehmen.
Brüche in Bildungsbiographien setzen sich in Deutschland fort
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass eine längere Unterbringung in Aufnahmeeinrichtungen ohne schnellen Zugang zu qualitativer schulischer Bildung ein erhebliches Risiko für den weiteren Bildungsweg der Kinder und Jugendlichen darstellt. Bildungsbiografische Brüche entstehen somit nicht nur auf der Flucht, sondern setzen sich in Deutschland fort. Die Studie betont, dass eine inklusivere Ausgestaltung der Schulpflicht ein zentraler Hebel ist, um das Recht auf Bildung zuverlässig umzusetzen. Eine verbindliche Schulpflicht für alle – unabhängig vom Aufenthaltsstatus – stärkt die Verantwortung der Länder und erfordert entsprechende finanzielle, personelle und strukturelle Investitionen in Bildung.
