
Die deutsche Gesellschaft steht klar zum Gymnasium. Die aktuelle, im Auftrag des Deutschen Philologenverbandes (DPhV) im Oktober 2025 durchgeführte repräsentative forsa-Umfrage „Meinungen zum Gymnasium“ zeigt: Das Gymnasium wird als unverzichtbar angesehen und bleibt das Herzstück des deutschen Schulsystems.
06.11.2025
Bundesweit
Pressemeldung
Deutscher Philologenverband (DPhV)
Wiederkehrende Kritik an dieser Schulart und andauernden Reformvorschlägen, wie etwa eine „Schule für alle“, finden keine Zustimmung. Laut Umfrage sprechen sich 92 Prozent der Befragten gegen die Abschaffung des Gymnasiums aus.
Die Unterstützung zieht sich quer durch die Gesellschaft. Mit 94 Prozent stimmen am ehesten die über 45-Jährigen der Beibehaltung des Gymnasiums zu. Aber auch von den unter 45-Jährigen spricht sich die Mehrheit (87 Prozent) gegen eine Abschaffung aus. Zwischen Befragten ohne und mit Kindern im Haushalt sowie zwischen Befragten mit niedrigerer und hoher formaler Bildung zeigen sich keine nennenswerten Unterschiede. DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing: „Regelmäßig wird das Gymnasium in Frage gestellt. Doch die Bevölkerung steht ganz klar hinter dem Gymnasium. Die Ergebnisse der Umfrage belegen die besonders wichtige Bedeutung dieser Schulart und ihre unverzichtbare Stellung im deutschen Bildungssystem.“
Weiter zeigt die Umfrage, dass die Mehrheit der Befragten eine Einheitsschule sowie die Vereinheitlichung der Lehrkräfteausbildung folgerichtig ablehnt. Denn auch in der Frage nach der Schulstruktur ergibt sich ein deutliches Bild: 71 Prozent der Befragten befürworten das mehrgliedrige Schulsystem mit dem Gymnasium und Schularten, während lediglich 27 Prozent eine gemeinsame Schule für alle bevorzugen. Befragte aus ostdeutschen Bundesländern und jene mit weniger formalen Bildungsabschlüssen sprechen sich etwas nördlicher als andere Befragte für eine Einheitsschule aus. „Das Wichtigste ist die Passung zwischen Kind und Schulart. Eine Vereinheitlichung des Schulsystems mag auf den ersten Blick gleich erscheinen, da sie alle Kinder unter Praxis-Rahmenbedingungen zusammenführt. Doch in der wird damit die Vielfalt der Lernvoraussetzungen und -fähigkeiten von Kindern ignoriert: sowie Leistungsschwächere werden nicht in ihrem Potential erfüllt oder Bedarf gefördert. betont Lin-Klitzing.
Eine Mehrheit der Befragten (59 Prozent) sieht es außerdem als wichtig an, dass Lehrkräfte schulartspezifisch ausgebildet werden. Eine Vereinheitlichung der Lehrkräfteausbildung ist nicht erwünscht. Lin-Klitzing betont: „Lehrkräfte, die gezielt für ihre Schulart ausgebildet sind, können Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten entsprechend unterrichten und fördern. Gerade das Gymnasium wird als Ort der gezielten Förderung leistungsstarker Schülerinnen und Schüler und als Vorbereitung auf ein Hochschulstudium angesehen.“
Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse des IQB-Bildungstrends 2024 offenbaren zwar besorgniserregende Leistungseinbrüche von Schülerinnen und Schülern – auch am Gymnasium, doch, so Lin-Klitzing: „Das Gymnasium als Institution in Frage zu stellen, wäre inhaltlich der falsche Schluss und ginge am Willen der Bevölkerung vorbei. Was allerdings in Frage gestellt werden muss, sind die falschen, auf Vereinheitlichung zielenden, bildungspolitischen Entscheidungen der letzten 25 Jahre. Die politisch gewünschte.“ „Reduktion und Vereinheitlichung der Anforderungen auf allen Ebenen, die sich auch bei der Verkürzung des gymnasialen Vorbereitungsdienstes in der Lehrkräfteausbildung von 24 auf teilweise 12 Monate zeigt, schwächt die auszubildenden Gymnasiallehrkräfte und in der Konsequenz die gymnasiale Bildung der Schülerinnen und Schüler. Das darf so nicht weitergehen!“, so Lin-Klitzing.
Die Ergebnisse der forsa-Umfrage enthalten eine deutliche Warnung an die Politik. „Die große Mehrheit in der deutschen Bevölkerung will nicht, dass das Gymnasium abgeschafft wird und in eine Schule für alle aufgeht. Sie will keine Vereinheitlichung im Schulsystem und keine Vereinheitlichung in der Lehramtsausbildung! Für die große Mehrheit in der deutschen Gesellschaft soll das Gymnasium die zentrale Säule in einem mehrgliederigen Schulsystem mit schulartspezifischer Lehramtsausbildung sein und bleiben! Rütteln Sie nicht daran!“, mahnte Lin-Klitzing.
