
Nach fast sechs Jahren Projektlaufzeit ist das Schulprojekt „Be oK – Berufsorientierung und Lebensplanung ohne Klischees“ der Zentralstelle der Landesfrauenbeauftragten (ZGF) nun beendet.
27.01.2026
Bremen
Pressemeldung
Bremen: Pressestelle des Senats
Bis Ende 2025 haben sich mehr als 5.000 Schülerinnen und Schüler sowie über 500 Lehrkräfte an Schulen im Land Bremen und Niedersachsen mit Geschlechterrollen und ihrem Einfluss auf die Berufswahl auseinandergesetzt.
„Das Projekt Be oK hat sich mit seinem pädagogischen Ansatz in den vergangenen Jahren als wichtiger Baustein innerhalb der schulischen Maßnahmen zur beruflichen Orientierung etabliert und nachweislich Impulse für die weitere Entwicklung der Jugendlichen gesetzt“, erklärt Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm. „Das Interesse der Schulen an Be oK ist nach wie vor sehr groß. Daher bedauern wir sehr, dass das Projekt nun eingestellt werden musste und für die Schulen damit ein bewährtes und nachgefragtes Angebot zur beruflichen Orientierung wegbricht.“ Trotz intensiver Bemühungen war es nicht gelungen, eine Anschlussfinanzierung zu finden.
Bilanz eines innovativen Konzepts
Damit sich Rollenbilder erst gar nicht verfestigen, müssen Klischees anschließend hinterfragt und aufgebrochen werden. Das Projekt Be oK richtete sich daher an die Jahrgangsstufen 6 und 7 und verfolgte einen spielerischen und interaktiven Ansatz. Bis zum Projekte wurden insgesamt 52 Erlebniswochen gestaltet und damit 5.100 Schülerinnen und Schüler erreicht. Dabei war die Qualifizierung der Lehrkräfte ein zentraler Projektbaustein: Etwa 500 Lehr- und Fachkräfte setzen sich mit ihrer eigenen Vorbildrolle auseinander und beteiligen sich an den Projektwochen. Auch die Eltern der Jugendlichen wurden einbezogen: 620 Erziehungsberechtigte erhielten im Rahmen von Informationsabenden Einblicke in die Projektinhalte und ihre Rolle im Prozess der beruflichen Orientierung.
Be oK war mehr als ein reines Schulprojekt: Ein Wissenschaftsbeirat sowie projektbegleitende Fachtage beschäftigten sich mit Lösungsansätzen, um Jugendliche bei der Berufswahl zu unterstützen und vernetzten die Akteurinnen und Akteure aus den Bereichen Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft.
Erlebnisraum und berufliche Vorbilder erreichen die Jugendlichen
Die interaktive Projektwoche konnte von Schulen im Land Bremen für ganze Jahrgänge gebucht werden. Und so funktionierte Be oK in der Praxis: Die Jugendlichen erkundeten in Kleingruppen und in punktueller Einzelarbeit ihre Stärken, Interessen und mögliche Berufsfelder. Dabei lernten sie, Geschlechterklischees zu erkennen, zu hinterfragen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Kernstück war ein begehbarer Erlebnisraum, der Lebenswelten der Jugendlichen abbildet und an verschiedenen Stationen zum Ausprobieren einlädt – auch die Lehrkräfte. Neue Impulse und Denkansätze erhielten die Jugendlichen zudem von den Role Models, also den beruflichen Vorbildern. Rund 100 Fachkräfte aus über 50 Unternehmen und sozialen Einrichtungen stellt in der Projektlaufzeit den Schülerinnen und Schülern ihre Arbeit und ihren Lebensweg vor und waren so bestes Beispiel dafür, dass Frauen beispielsweise erfolgreich im Bereich Robotik oder Sicherheit und Männer in der Altenpflege oder in der Vorschulerziehung arbeiten.
Gestartet als Modellprojekt – beendet als etabliertes Format für Schulen
Die ZGF hatte sich 2019 mit ihren Projektskizzen als eines von vier gegen mehr als 30 eingereichte Projektideen im Wettbewerb „Bildung & Fachkräfte“ der Metropolregion Nordwest durchgesetzt und eine Projektförderung erhalten. Ergänzt durch Mittel der Agentur für Arbeit, der Krankenkasse HKK, der Arbeitnehmerkammer und der ZGF konnte das Projekt gestartet werden. Das pädagogische Konzept wurde zwischen Dezember 2019 und November 2022 in der Modellregion Bremen–Bremerhaven–Landkreis Osterholz pilotiert, weiterentwickelt und anschließend im Land Bremen verstetigt.
Finanziert wurde das Projekt im Zeitraum Dezember 2022 bis Dezember 2025 durch die Bundesagentur für Arbeit Bremen–Bremerhaven sowie die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF). Die ESF-Mittel sind regelmäßig ausgelaufen, eine Anschlussfinanzierung konnte nicht realisiert werden.
Eine umfangreiche Projektdokumentation liegt vor und steht zusätzlich unter www.frauen.bremen.de zum Download bereit.
