„Ich bin etwas wert und bin willkommen“

Deutschland ist längst ein Einwanderungsland. Kitas und Schulen leisten viel, um junge Menschen zu integrieren, doch es braucht bessere Sprach- und Leseförderung und mehr Möglichkeiten der Teilhabe, betont die Erziehungswissenschaftlerin Annette Scheunpflug. Von Roman Eisner


26.01.2026

Bundesweit

Artikel

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    Annette Scheunpflug: „Die Sprachkompetenz ist für den Schulweg und das weitere Leben von entscheidender Bedeutung.“

Was lässt sich dagegen unternehmen?

Jede einzelne Schule sollte für sich überlegen sein, wie sie die Lernbedingungen für ihre Mitschüler vor Ort optimieren kann. Viele Beispiele etwa aus dem Deutschen Schulpreis zeigen, dass auch Schulen in benachteiligten Stadtgebieten hervorragende Arbeit für die jungen Menschen leisten können und sich zu attraktiven Schulen entwickeln können. Veralte Schulgebäude oder die Einwanderungsgeschichte vieler Schülerinnen und Schüler werden dann weniger wichtig, wenn die Schulfamilie, die Lehrkräfte und die jungen Menschen es schaffen, ihre Schule zu einer gelingenden Lernumgebung zu machen.

Und wie kann das gelingen?

Auf die Professionalität und das Engagement des Kollegiums kommt es an. Es ist falsch, zu jammern und sich zu beklagen: „Wir brauchen Schülerinnen und Schüler, die gut zu unserer Schule passen.“ Zahlreiche Schulen akzeptieren hingegen, dass sie vielfältige Schülerinnen und Schüler haben, und überlegen sich, wie sie das Erfolgspotenzial der Kinder und Jugendlichen konstruktiv fördern. Wichtig ist vor allem, dass nicht jede Lehrkraft sich als Einzelkämpfer in einer Klasse sieht, sondern dass die gesamte Schule gemeinsam einen Lern- und Veränderungsprozess durchläuft und sich als verantwortlich für das Lernen der Kinder und Jugendlichen begreift.

Gehen wir nochmal zurück zur Kita. Die Regierung plant, das Startchancen-Programm auf Kitas auszuweiten, das Sprachkita-Programm neu aufleben zu lassen und verbindliche Sprachtests für Vierjährige einzuführen. Sind das die richtigen Schritte?

Es ist positiv, dass die Politik die Frühpädagogik fördern wird. Gleichzeitig bedarf es auch dafür Evidenzbasierung. Das bedeutet vor allem, sich beim Entscheiden und Handeln an empirisch belegbaren, wissenschaftlichen Erkenntnissen zu orientieren. Nicht die bunte Wiese mit allen möglichen Ideen ist die beste Lösung für das Sprachenlernen, sondern die bewusste Sprachförderung – im Kontext von Programmen, die gezeigt haben, dass sie zur Sprachbildung beitragen. Nicht jede Bildungseinrichtung und nicht jedes Bundesland muss auch nochmal neu für sich selbst überlegen, welche Maßnahmen sie ergreifen könnte.

Sind denn die Pädagoginnen und Pädagogen in Kitas und Schulen auf diese Integrationsaufgaben ausreichend vorbereitet?

Das ist ein großes Thema in der Ausbildung und im Studium. Wichtig ist auch die zweite Phase, also das Referendariat oder der Vorbereitungsdienst vor Ort. Da sehen wir eine große Heterogenität in allen Bundesländern und den unterschiedlichen Schularten. Es gibt leider nur wenig Forschung zur Ausbildung in dieser Phase. Ich habe die Hypothese, dass im Vorbereitungsdienst der Fokus häufig auf einem idealen Unterricht liegt als auf dem Umgang mit herausfordernden jungen Menschen. Da noch Potenzial vorhanden ist, werden die Lehrkräfte stringent durch alle Ausbildungsphasen hindurch besser zu qualifizieren. Zudem gelingt es Universitäten häufig nicht – dies zeigen empirische Studien – eine hinreichend professionelle Haltung zum Thema Migration und Mehrsprachigkeit anzubahnen.

Eine Chance, hier etwas zum Positiven zu verändern, könnte in der Förderlinie „Migration, Integration und Teilhabe an Bildung“ liegen. Sie sind Sprecherin des Metavorhabens dieser Förderlinie seit Oktober 2024.

Die Förderlinie umfasst 20 Projekte und das Metavorhaben. In jedem werden unterschiedliche Aspekte zu Integration und Bildung aufgegriffen. Das geht vom Unterricht mit postmigrantischer Literatur über die Qualifizierung der Schulinspektion und der Schulräte im Hinblick auf den Umgang mit Migration bis hin zur Selbstwirksamkeit von Mädchen oder einer App für das Sprachenlernen. Das Metavorhaben trägt zur Kommunikation nach innen und außen der Förderlinie bei. Außerdem liefert es Forschungssynthesen zum Thema Integration durch Bildung – unter anderem eine Zusammenfassung der über 40 000 wissenschaftlichen Werke dazu.

Dieser Artikel ist zuerst im didacta Magazin Ausgabe 4/2025, S. 4-7, erschienen:




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