
Mit dem Einzug Künstlicher Intelligenz in Schulen wächst der Bedarf an klarer pädagogischer Orientierung. Lehrkräfte entscheiden, wie KI sinnvoll eingesetzt wird und wie Schülerinnen und Schüler einen reflektierten Umgang erlernen. Dieses Spannungsfeld rückt auch die didacta 2026 in den Fokus.
17.12.2025
Bundesweit
Artikel
Stefany Krath, Jule Krause
Daten zeigen, wie rasant KI den schulischen Alltag erreicht hat: Laut JIM-Studie 2025 Mittlerweile nutzen 74 Prozent der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland KI-Anwendungen zum Lernen oder für die Hausaufgaben. In einer Bitkom-Umfrage Ende 2024 gab jede zweite Lehrkraft an, KI-Anwendungen wie ChatGPT, SchulKI oder FieteAI bereits im Unterricht verwendet zu haben – gleichzeitig sind viele noch skeptisch. „Als Lehrkraft kann ich mir das Leben sehr viel leichter machen, wenn es mir gelingt, KI sinnvoll einzusetzen“, meint Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, im Interview mit dem „stuzubi OnlineMagazin“. In der Praxis sei es dann aber doch nicht ganz so einfach: „Wir bewegen uns da in einer Grauzone. Es gibt noch keine Standardisierung von KI für die Schulen“.
Dies spiegelt sich auch in den Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern wider: Laut Bitkom-Umfrage sind 39 Prozent der Lehrkräfte der Meinung, dass KI in der Schule „nichts verloren“ habe. Sprechen Sie über Dreiviertel dieser Lehrkräfte dafür, dass alle Schülerinnen und Schüler KI-Kompetenzen trotzdem erlernen sollten. „Wichtig ist, dass Lehrerinnen und Lehrer bei Künstlicher Intelligenz und ihre Didaktik mit Fortbildungsangeboten unterstützt werden“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.
Didaktik vor Technologie, Empathie vor Algorithmus
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz ist auch ein Topthema der Bildungsmesse didacta, die im März 2026 in Köln stattfindet. Im Gespräch mit Expertinnen, Visionären und Fachleuten aus der Praxis soll es dort zum Beispiel um die Chancen und Herausforderungen im Umgang mit digitalen Tools gehen. Inwiefern das Lernen und Lehren angesichts des rasanten digitalen Wandels neu gelernt werden muss, ist aus Sicht von Prof. Dr. Julia Knopf eine der „spannendsten Entwicklungen“. Dabei bringt die Professorin für Didaktik und Digitalisierung die zentrale Herausforderung im Umgang mit KI auf den Punkt: „Lernen – vor allem auch der Transfer des Gelernten – geschieht nur in der Anwendung. Das braucht Zeit.“ Überdies gilt für Julia Knopf vor allem der Leitsatz: „Didaktik vor Technologie.“ Im didacta-Themendienst betont sie: Keine technologische Entscheidung dürfe getroffen werden, „ohne zu bedenken, was für pädagogisch-didaktische Konsequenzen, das für mich hat“. Auf der Didaktik wird sie beispielsweise auf dem Forum Berufliche Bildung/myQ über das Thema sprechen: „Empathie schlägt Algorithmus: Warum menschliche Kompetenzen im KI-Zeitalter unverzichtbar bleiben“.
Orientierung durch Leitlinien
Auch die Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) liefert mit ihrer Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI in Schulen von 2024 Orientierung: KI-Anwendungen sollen Lehrkräfte unterstützen und personalisierte Lernprozesse ermöglichen; Prüfungsformate müssen angepasst und KI-Kompetenzen in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung systematisch verankert werden.
Bundesweit setzt die KMK in ihren Empfehlungen dabei auf professionelle Urteilsfähigkeit: Lehrkräfte sollen verstehen, wie KI funktioniert, wo ihre Grenzen liegen und welche didaktischen Szenarien verantwortungsvoll sind. Pädagogische Intelligenz wird damit zur entscheidenden Ressource – und zum Gegenpol technischer Automatisierung.
Wie Länder Lehrkräfte auf KI vorbereiten
Wie die Länder diesen Auftrag umsetzen, zeigt der KI-Länderreport des gemeinnützigen Vereins Zukunft Digitale Schule. Er dokumentiert systematisch, welche Fortbildungsstrategien, Leitfäden und KI-Tools die Bundesländer bereitstellen
Nordrhein-Westfalen setzt beispielsweise auf eine breite Qualifizierung für alle Lehrkräfte. Mit „KI-Skilling.NRW“ sollen rund 200.000 Lehrkräfte über Webinare, Selbstlernkurse und Materialien befähigt werden, KI fachlich und pädagogisch reflektiert einsetzen. Das Land behandelt KI nicht als Zusatzthema, sondern als Querschnittsaufgabe des Unterrichts.
Thüringen setzt auf strukturelle Integration. Ein Handlungsleitfaden Regelt den Einsatz von KI im Unterricht, das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien entwickelt fortlaufende Angebote zu Datenschutz, Didaktik und ethischer Reflexion. Ziel ist es, Lehrkräfte nicht nur technisch zu schulen, sondern sie in ihrer pädagogischen Urteilskraft zu stärken.
Baden-Württemberg kombiniert institutionelle Expertise mit praxisnahen Formaten. Das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) hat ein eigenes KI-Fachteam gebildet, das Fortbildungen entwickelt. Das Landesmedienzentrum liefert Unterrichtsmaterialien, eine jährliche KI-Fachtagung in Esslingen fördert den Austausch unter Lehrkräften.
Ethische Leitplanken rücken ins Zentrum
Mit KI gewinnt auch die ethische Dimension im Unterricht an Bedeutung. „Wenn menschliche Tätigkeiten an Maschinen delegiert werden, kann dies für verschiedene Personengruppen, Akteure und Betroffene ganz unterschiedliche Auswirkungen haben“, warnt Judith Simon, Mitglied des Deutschen Ethikrates. Dieser empfiehlt, den Einsatz von KI in der schulischen Bildung „an grundlegende Bildungsvorstellungen“ zu orientieren und auf Elemente zu beschränken, „die nachweislich die Kompetenzen und sozialen Interaktionen der Lernenden erweitern, ihre Privatsphäre schützen und die Persönlichkeitsbildung fördern“. Auf der didacta 2026 diskutierte die Professorin für Ethik in der Informationstechnologie über das Thema: „Ethische Leitplanken für den Einsatz von KI in der schulischen Bildung“. Dabei wird es um Fragen gehen wie: Was kann und soll Bildung sein – unter der Bedingung Generativiver KI? Wie können wir sicherstellen, dass KI in Schulen gerecht und transparent eingesetzt wird? Welche Auswirkungen hat KI auf die Chancengleichheit im Bildungswesen? Und natürlich wird es um die entscheidende Frage gehen, welche Verantwortung Schulen und Lehrkräfte bei der Implementierung KI-gestützter Lernmethoden tragen.
Die Rolle der Lehrkraft verändert sich
KI kann Lernprozesse unterstützen, automatisieren oder personalisieren. Doch sie ersetzt nicht die Kernaufgabe der Lehrkraft: Lernprozesse zu moderieren, kritisch zu begleiten und Schülerinnen und Schüler in ihrer Urteilsbildung zu stärken. KI liefert Impulse – die pädagogische Einordnung bleibt menschliche Aufgabe, die von der Lehrkraft viel Verantwortung erfordert. „Wir können nicht verhindern, dass Schülerinnen und Schüler KI nutzen – aber wir können ihnen beibringen, es klug zu tun“, sagt Didaktik-Expertin Julia Knopf.
Genau an dieser Stelle setzt die didacta 2026 an. Sie bringt Praxisanforderungen aus Schulen, Positionen von Verbänden, Forschung und ethische Leitplanken zusammen und macht sichtbar, wie pädagogische Intelligenz und technologische Innovation miteinander verknüpft werden können. Als Leitmesse für Bildung wird sie damit zu einem Ort, an dem Lehrkräfte Orientierung erhalten, neue Kompetenzen aufbauen und konkrete Wege finden, KI verantwortungsvoll und wirksam in den Unterricht zu integrieren.
Vom 10. bis 14. März 2026 findet die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse unter dem Leitthema „Alles im Wandel. Bildung im Fokus“ statt. Ideeller Träger und Kurator des Rahmenprogramms ist der Didacta Verband, der Verband der Bildungswirtschaft.
Bringen Sie sich aktiv ein, entdecken Sie Best Practices und nehmen Sie frische Impulse für Ihren Berufsalltag mit durch einen Besuch der didacta 2026 in Köln. Sichern Sie sich hier Ihr Ticket für die Bildungsmesse.
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