„Wir sehen Bildung als Anker und Halt“ – didacta 2026

Die didacta in Köln wird zeigen, wie Bildung in Zeiten rasanten gesellschaftlichen Wandels Orientierung geben kann. Wie können Zukunfts- und Basiskompetenzen gestärkt, KI verantwortungsvoll genutzt und Nachhaltigkeit vermittelt werden für mehr Sicherheit und Teilhabe? Darüber spricht Stephan Scharnagl, Vizepräsident Messe des Didacta Verbands.


28.11.2025

Artikel

Martin Stengel

Herr Scharnagl, die didacta 2026 steht unter dem Motto „Alles im Wandel. Bildung im Fokus“. Warum?

Stephan Scharnagl: Aktuelle Herausforderungen, die sich neu ordnende geopolitische Situation, Krisen der vergangenen Jahre und Unsicherheiten fordern uns alle heraus und schüren Unsicherheiten. Wir sehen Bildung als Anker und Halt, um all diese Themen zu verstehen und Ideen für die Gestaltung zu bekommen. Gute Bildung schafft Perspektive durch Teilhabe und stärkt die eigene Resilienz sowie die Resilienz vor gesellschaftlicher Spaltung. Voraussetzung dafür sind der kritische Diskurs und die Suche nach Lösungen. Beides bieten wir auf der didacta.

Die deutsche Bildungslandschaft, aber auch die Welt allgemein wandelt sich gerade rasant. Stichwort KI, Heterogenität der Schülerschaft, Klimawandel – um nur einige Beispiele zu nennen. Werden Schulen, Berufsschulen, Kitas ein Stück weit vom rasanten Wandel überrollt?

Zumindest sind sie in vielen Fällen nicht gut vorbereitet. Alte Strukturen, ausgelegt auf vergangene Zeiten, passen nicht mehr. Der Wandel geschieht immer schneller. Wir müssen als Gesellschaft fähig sein, uns darauf einzustellen und damit sinnvoll umzugehen. In den Bildungseinrichtungen sind beispielsweise agile Strukturen und multiprofessionelle Teams nötig, weniger Bürokratie und ein neuer Blick auf die Einzelnen, der individualisiertes Lernen stärker. Basiskompetenzen, Wertevermittlung und kritisches Denken müssen gestärkt werden. Wir sollten auch die Übergänge, beispielsweise zwischen Kita und Schule sowie zwischen Schule und Ausbildung, stärker im Blick halten. Denn hier zeigen sich oft Brüche in den Bildungsbiografien, die sich später schwer kitten lassen.

Sie haben vier Topthemen für die kommende didacta in Köln festgelegt. Beginnen wir mit dem Thema „Zukunfts- und Basiskompetenzen“: Welche Impulse soll die didacta hier geben?

Eine wichtige Zukunftskompetenz sehen wir darin, Demokratie zu verstehen, zu leben und zu verteidigen. Denn Demokratien stehen zunehmend unter Druck. In zahlreichen Veranstaltungen zu diesem Thema regt die Didaktik an, im Bildungssystem Teilhabe für alle zu ermöglichen – sei es nun durch Ganztagskonzepte, Inklusionsmodelle oder Sprachförderung. Aber auch die Frage, wie wir demokratische Prozesse in den verschiedenen Bildungsbereichen stärken können, sollte beantwortet werden.

Zu Zukunftskompetenzen gehören aber auch der sichere Umgang mit digitalen Tools und KI sowie die berühmten vier K – Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und Kritisches Denken.

Was die Basiskompetenzen betrifft, sehen wir mit jeder Bildungsstudie, dass die Lese- und Rechenfähigkeit der Schülerinnen und Schüler abnimmt. Diese Fähigkeiten sind grundlegend für schulischen und später beruflichen Erfolg und Teilhabe an der Gesellschaft. Die didacta zeigt in den Veranstaltungen, aber auch durch neue Produkte und Services der ausstellenden Unternehmen, wie Menschen bessere Unterstützung erhalten, ihre Fähigkeiten ausbauen.

„Gesundheit und Wohlbefinden“ sollen ebenfalls im Fokus stehen: Was erwartete Besucherde bei diesem Thema?

Dies ist ein ganzheitliches Thema, das viele Bereiche umfasst. Hintergrund für diesen Schwerpunkt ist die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche vermehrt psychisch belastet sind und sorgenvoll in die Zukunft schauen, wie die aktuelle Robert Bosch-Studie bestätigt. In zahlreichen Veranstaltungen behandeln wir Fragen rund um Gesundheitskompetenz und Future Skills, Beziehungsarbeit und Schulklima oder die Auswirkungen des Lernraums auf Konzentration und Wohlbefinden. Mentale Gesundheit im digitalen Raum ist natürlich von großer Bedeutung und damit einhergehend die Frage, wie wir jungen Menschen die Kompetenzen vermitteln, sich im Netz zu schützen. Der Nutzen von multiprofessionellen Teams und Kooperationen sowie eine zeitgemäße Lehrkräfte- und Elternfortbildung zu mentaler Gesundheit gehören ebenfalls in dieser Diskussion.

Natürlich ist auch „Digitalisierung und Künstliche Intelligenz“ ein wichtiges Thema der Bildungsmesse. Wo sehen Sie hier die wesentlichen Fragen?

Nicht nur der Umgang mit Hardware will gelernt sein, sondern vor allem der Umgang mit Software und KI. Menschen müssen befähigt werden, digitale Inhalte richtig einzuordnen und kritisch zu hinterfragen. So wird die Resilienz gegen Extremismus, Desinformation und Fake News gestärkt.

Die Frage, die wir immer Kopf haben müssen, ist: Wie lernen wir in der Zukunft? Die didacta bietet eine Diskurs-Plattform, um sich hierüber auszutauschen. Welche digitalen Infrastrukturen fehlen uns in Deutschland? Wie funktioniert personalisiertes Lernen erfolgreich? Welche neuen Prüfungsformate ergeben sich hieraus? Dies muss in unterschiedlichen Feldern behandelt werden. Wichtig ist es auch zu verstehen, dass digitale Konzepte aus Deutschland kommen können und die Souveränität gegenüber Abhängigkeiten zB aus Amerika und anderen Ländern stärken können. Dies zeigt die Bildungswirtschaft auf der didacta.

Das vierte zentrale Thema ist Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Es wird bemängelt, dass dieses Thema immer noch zu wenig in Kitas und Schulen stattfindet. Worum wird es auf der didacta beim Thema BNE gehen?

Bildung für nachhaltige Entwicklung soll Menschen zu einem zukunftsfähigen Denken und Handeln befähigen. Im Vordergrund steht beispielsweise die Frage, wie die eigenen Entscheidungen Menschen nachfolgender Generationen in meinem Umfeld oder weiter entfernt beeinflussen. In gymnasialen Oberstufen ist dieses Thema längst angekommen. Dieses Jahr werden unter anderem Ansätze für Grundschulkinder vorgestellt. Aber auch Auszubildende Rücken stärker in den Fokus, war BNE betroffen.

Grundsteine ​​dazu werden bereits in der Kita gelegt – altersgerecht und ganz natürlich. Pädagoginnen und Pädagogen bearbeiten mit den Kindern Themen wie gesunde Ernährung, Müllvermeidung oder Biodiversität, ohne diese explizit unter dem Oberbegriff BNE zu fassen. Diese Art der Veranstaltungen werden auch auf der didacta zu finden sein.

Herr Scharnagl, ich danke Ihnen für das Gespräch.

Vom 10. bis 14. März 2026 findet die didacta als weltweit größte und Deutschlands wichtigste Bildungsmesse unter dem Leitthema „Alles im Wandel. Bildung im Fokus“ statt. Ideeller Träger und Kurator des Rahmenprogramms ist der Didacta Verband, der Verband der Bildungswirtschaft.

Bringen Sie sich aktiv ein, entdecken Sie Best Practices und nehmen Sie frische Impulse für Ihren Berufsalltag mit durch einen Besuch der didacta 2026 in Köln. Sichern Sie sich hier Ihr Ticket für die Bildungsmesse.

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Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2026 finden Sie unter www.didacta-messe.de, auf Facebook, Instagram und LinkedIn.

Informationen für Redaktionen: Interviews, Videos, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die Nutzungshinweise zum jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Quellenangabe: Dieser Beitrag erschien zuerst im didacta-Themendienst.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta – die Bildungsmesse 2025 finden Sie im Dossier auf www.bildungsklick.de.




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